Der Wald im Zimmer – Eine Harzreise

Berliner Taschenbuch Verlag, 175 Seiten, 2007,
kartoniert, 8,90 Euro,
9783833304378,
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Wenn sich zwei Großstadtindianer aufmachen und mit dem Eisernen Pferd gen Wilden Südosten reiten, dann übertrifft die Wirklichkeit alle Erwartungen: Kuhligk und Wagner gehen auf Pirsch im tiefsten Heinrich-Heine-Land, vorbei an Legionen von Gartenzwergen, in den Gaststeppen röhren die Stoffhirsche, Resopaltische allüberall und der ferne Klang eines einsamen Waldhorns – juchhe! Das ist der Harz, wo die frommen Hütten stehen und die freien Lüfte wehen. In sieben Gängen und einem Nachsatz aus humorvoll-beißender Prosa, Lyrik, Essays und Textskizzen ergründen und demontieren Kuhligk und Wagner die hohe Idee von Deutschheit neu und ehren dabei den großen Dichter Heinrich Heine.

Deutsche Weltstars kommen aus der Provinz, daher, wo das Herz des Landes immer noch schlägt. Wohl auch deshalb sind die beiden Dichter Wagner und Kuhligk im September 2006, 180 Jahre nach Heinrich Heine, auf dessen Spuren durch den Harz marschiert. Von Göttingen über Goslar zum Brocken, 200 Kilometer. Eine Hommage, ein Experiment: Die deutsche Seele mit dem Wanderstiefel suchen, geht das noch? Und wie! Fichtenmonokultur und Unesco-Fachwerk, das Grauen der Frühstückspensionen und das Schweigen der Waldstraßen fügen sich zu einem Harzalbum aus Eindrücken, Fotos, Gedichten. Zweistimmig. Jan Wagner schreibt sich gern aus der Welt heraus, Björn Kuhligk schaut ihr eher scharf ins Auge.

Wilhelm Trapp, Die Zeit

Immer lebendiger und wirklichkeitsversessener wird diese Wanderschaft, Reiseprosa und Reiselieder wechseln einander ab, hinein montiert sind Heines Texte und Anklänge an regionale Lieder und Themen – die Lektüre ist ein solches Vergnügen, dass man beinahe der gesamten deutschen Lyrikerschaft eine längere Fußreise wünscht, damit sie sich von ihren Schreibtisch- und Bücherbildern erholt und Prosa von jener Kraft und Deutlichkeit schreibt, die Kuhligk und Wagner stationsweise aus dem Ärmel schütteln

Hanns-Josef Ortheil, Die Welt

Was das Schreiben der beiden so beglückend macht, ist das Fehlen jeglicher Manierismen; nur so, mit solchen in der Gegenwart und im Leben verhafteten Texten kann auch der deutschen Lyrik wieder mehr Publikum zugeführt werden. Nicht die schlechteste Reaktion auf die Lektüre ist im Übrigen der Wunsch, sich sofort auch in den Harz aufzumachen.

Tina Manske, titel Magazin