Am Ende kommen Touristen

Berlin Verlag, 112 Seiten, 2002
€ 12,00 [D], € 12,40 [A]
Hardcover mit Schutzumschlag
978-3-8270-0453-6

Björn Kuhligk ist einer dieser seltenen gewalttätigen Dichter, die ihr Publikum sofort in einen Zustand gespannter Wachheit versetzen. Er erzielt diesen Effekt nicht durch die Form seiner Gedichte, diese ist von besänftigender, ruhiger Schönheit – aufrüttelnd ist vielmehr die Gnadenlosigkeit, mit der er die Welt aufrastert und jede falsche Gelassenheit aufhebt. Mit seiner kraftvollen, anschaulichen und ungezwungenen Metaphorik führt er den Leser in Gebiete, in denen sich im Alltäglichen plötzlich die Türen zu den Passionsgeschichten des Lebens öffnen. In Lyrikerkreisen längst kein Unbekannter mehr, wird Björn Kuhligk vor allem für seine zeitdiagnostische Schärfe geschätzt. In diesem Gedichtband wagt er sich erstmals in die poetische Gefahrenzone des erotischen Liebesgedichts vor. Voller Bewunderung stellt man fest: Björn Kuhligks zielgenaue Lakonik erobert auch die Haut der Geliebten und es entstehen verstörende Kalligraphien des Begehrens. Leidenschaft wird als säkularisierte Passionsgeschichte lesbar, vergleichbar mit den frühen Werken Pasolinis.

Selbstverständlich sind Worte der Liebe aufgeladen: mit dem eigenen Gefühl, aber auch von Seiten der Tradition, es gibt sie seit den Anfängen der Menschheit. Nicht einfach, hier seine eigene Stimme zu behaupten. Kuhligk versucht das mit gekonnt-gegenwärtigem Petrarkismus, gesuchten und zugleich überzeugenden Bildern.

Alexander von Bormann, Der Tagesspiegel